Künstliche Intelligenz -

Ich denke, also bin ich

Von der künstlichen Intelligenz geht eine schaurige Anziehung aus. In Filmen wie „Terminator“ oder „iRobot“ entwickeln Roboter einen eigenen Willen und versuchen die Weltherrschaft an sich zu reißen. Doch denkende Computer erhöhen auch die Chancen auf Durchbrüche in der Medizin und sind entscheidend für das autonom fahrende Automobil.

„Ich denke, also bin ich“, dieser erste Grundsatz des Philosophen René Descartes definiert den Homo Sapiens. Maschinen können viel, manches besser als die Menschen, aber denken, das können sie noch nicht. Menschlich agierende Roboter, wie Commander Data aus der Science Fiction-Serie „Raumschiff Enterprise, das nächste Jahrhundert“ galten lange als reine Fiktion.

Doch mittlerweile werden auf keinem Gebiet so große Fortschritte gemacht, wie bei der künstlichen Intelligenz: Schon 1996 gewann der Computer „Deep Blue“ einer Partie mit regulären Zeitkontrollen gegen den damaligen amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow und 2011 ließ der IBM Super-Computer Watson in der amerikanischen Quizshow „Jeopardy“ seinen menschlichen Konkurrenten keine Chance.

Schneller als der Mensch

Beeindruckend, zweifellos. Denn, um diesen Coup zu landen, muss die Rechenmaschine die menschliche Sprache verstehen und dann die richtige Antwort suchen. Von einer Intelligenz, die aufgrund von Erfahrungen, Emotionen und Intuitionen eine Entscheidung trifft, ist das noch ein ganzes Stück weit entfernt.

Wenn man von künstlicher Intelligenz spricht, muss man sich zunächst einmal klarmachen, dass die Herangehensweise bei einer solchen Software eine ganz andere ist, als es bislang üblich war.

Ganz entscheidend ist dabei das „Deep Learning“, also das Erlernen von Mustern, auf deren Basis der Computer dann Entscheidungen treffen kann. Das ist ein riesengroßer Unterschied zu den gebräuchlichen Software-Programmen, die immer rein binär agierten, also im Sinne von „ja“ und „nein“.

Das bedeutet, dass man dem Computer erst einmal eine große Anzahl von Situationen und die richtige Reaktion darauf einprogrammieren muss. Die Leistung der Software, die aus mehreren aufwendigen Einzelprogrammen, den sogenannte Algorithmen, besteht, besteht darin, dass dann die Maschine auch Entscheidungen aufgrund von Wahrscheinlichkeiten trifft. Dass dafür eine große Rechenkraft und immens viel Daten nötig sind, liegt auf der Hand.

Schließlich soll der Computer dann selbst weiter lernen und selbst seine Entscheidungskraft verbessern. Dabei helfen ihm die Erfahrungen anderen Maschinen, also eine Art „Schwarm-Intelligenz“.

Im Zusammenhang mit der künstlichen Intelligenz fällt oft der Begriff „künstliches neuronales Netzwerk“. Damit ist im Grunde nichts Anderes gemeint, als ein Computerprogramm, das die Funktionsweise des menschlichen Gehirns nachzuahmen versucht.

Da besteht die Software aus verschiedenen Schichten, also kleinen Rechenprogrammen, die eben dann aufgrund der antrainierten Muster und Prozesse, zum Beispiel das Bild eines Kindes erkennen, indem sie zunächst von groben Grundstrukturen immer mehr ins Detail gehen und letztendlich aufgrund von Wahrscheinlichkeiten zur richtigen Lösung gelangen.

Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch.

Die Fortschritte auf diesem Gebiet sind unübersehbar: Unlängst besiegte die Google-Software AlphaGo den Meisterspieler des Brettspiels „Go“ Lee Sedol. Anders als beim Schach gibt es bei Go eine unendliche Möglichkeit an Kombinationen für jeden Spielzug.

Angesichts der begrenzten Spielzeit kann nur gewinnen, wer bestimmte Lösungswege außer Acht lässt. Die Maschine überraschte Experten mit unerwarteten Zügen, die sie sich im Laufe von vielen Partien gegen sich selbst angeeignet hatte.

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Die nächste Bastion der menschlichen Intuition fiel, als ein Computer einen Poker-Profi besiegte, da die Maschine zum Beispiel nicht wissen konnte, ob der Gegner blufft und daher mit unvollständigen Informationen umgehen musste. Ansätze von künstlicher Intelligenz findet man schon heute im Alltag. Der Google Translator begann als rustikale Übersetzungs-Maschine, die einfach Wort für Wort in eine andere Sprache übertragen hat, mittlerweile analysiert die Software ganze Sätze, erkennt zum Beispiel Redewendungen und liefert eine deutlich bessere Leistung ab. Ein ganz großes Rad dreht auch die Automobil-Industrie. Mit Hilfe der künstlichen Intelligenz soll irgendwann das autonome Fahren Wirklichkeit werden.

Da wird dann genau das skizzierte Prinzip von Entscheidungen und Verhaltensweisen aufgrund von erlernten Mustern und Situationen greifen. Doch bis diese Robo-Autos Realität sind, werden noch mindestens zehn Jahre ins Land gehen, eher mehr.

Die Chancen, die durch die künstliche Intelligenz entstehen, sind riesig. Wenn Computer generell in der Lage sind selbstständig Informationen aus Daten zu gewinnen und Schlüsse zu ziehen, nähern sie sich den kognitiven Fähigkeiten des Menschen an und können bei der Medizin-Forschung für entscheidende Durchbrüche sorgen. Schon aus dem Grund, dass ein Computer keine Ruhepausen kennt. Erste Erfolge sind schon sichtbar: Wissenschaftler melden große Fortschritte beim Analysieren von Krebsleiden und dem Suchen nach geeigneten Medikamenten.

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