Verkehrssünden

Geschwindigkeit übertreten? Zu dicht aufgefahren? Der Bußgeldkatalog 2017 im Überblick

Wer sich im öffentlichen Straßenverkehr aufhält, muss sich an Regeln halten. Sollte das mal nicht klappen und ein Ordnungshüter wird darauf aufmerksam, stellt sich schnell die Frage: Ist mein Führerschein jetzt weg?

Wieviel Strafe muss ich zahlen. Und wer jetzt glaubt, dass im Land der teils unbeschränkten Autobahnen das Rasen in tempobeschränkten Zonen die einzige Art ist zur Kasse gebeten zu werden, der irrt. Hierzulande gibt es jede Menge verschiedener Arten sein Geld in kürzestes Zeit zu verlieren. Von fünf bis hin zu mehreren tausend Euro hat der Bußgeldkatalog einiges zu bieten.

Falschparken

Das wohl passivste Geldverschleudern im Straßenverkehr ist das Falschparken. Ist mal wieder der Wunschparkplatz von jemand anderem besetzt, wird das Fahrzeug kurzerhand irgendwo abgestellt. Ob nun in der zweiten Reihe, einem absoluten Park- oder Halteverbot oder sonst wo, mindestens zehn Euro werden hier fällig. Wichtig dabei ist, ob nun einfach nur ein Halte- oder Parkverbot missachtet oder jemand noch zusätzlich behindert wurde.

Dabei fallen die Geldstrafen, die vom Ordnungsamt oder der Polizei erhoben werden noch recht milde aus. Wird aber zum Beispiel auf einem Behindertenparkplatz oder einer Feuerwehreinfahrt geparkt kommen die Abschleppgebühren noch oben drauf. Abgesehen vom unnötigen Stress und dem Schock, dass das Fahrzeug auf einmal nicht mehr dasteht, wo es zuvor abgestellt wurde, ist dies eine ziemlich zeitaufwendige und kostspielige Angelegenheit.

Tempoüberschreitung, Radarwarngeräte und illegale Straßenrennen

Die bekannteste Verkehrssünde ist ganz offensichtlich die Überschreitung der lokal festgelegten Höchstgeschwindigkeit. Abzüglich einer gewissen Toleranz liegt hier, unabhängig ob inner- oder außer Orts, die magische Grenze, die zwischen einem Punkt und keinem Punkt in Flensburg entscheidet bei exakt 20 Kilometern pro Stunde zu viel. Ein weiterer km/h schneller und der Punkt wird in Flensburg in die Verkehrssünderkartei gemeißelt. Wer sich mit über 30 Kilometern pro Stunde zu schnell erwischen lässt, ist in den meisten Fällen, zumindest innerorts, zusätzlich noch seine Fahrerlaubnis für einen Monat los.

Die Stammtischweisheit „Ich fahre immer die üblichen zehn zu schnell, sonst werde ich ja zum Verkehrshindernis“, interessiert die Polizei wenig und kostet immerhin noch zehn Euro. Wird bei ganz pfiffigen Autofahrern ein betriebsbereites Radarwarn- oder Laserstörgerät im Fahrzeug gefunden, werden nicht nur 75 Euro und ein Punkt fällig, sondern das Gerät wird zusätzlich beschlagnahmt und vernichtet. Teilnehmer eines illegalen Straßenrennens werden mit 400 Euro zur Kasse gebeten sowie mit zwei Punkten und einem Fahrverbot von drei Monaten belegt.

Schlechte Reifenwahl und Telefonieren am Steuer

Bis zu 120 Euro plus Bearbeitungsgebühr dürfen überwiesen werden, wenn das eigene Fahrzeug mit Reifen betrieben wird, die nicht den Wetterverhältnissen angepasst sind und es in Folge dessen zum Unfall kommt. Ach ja, einen Punkt gibt es auch noch. Allerdings gibt es den auch schon bei dem unfallfreien Einsatz falscher Bereifung mit dem Unterschied, dass das Bußgeld dann nur 60 Euro beträgt. An dieser Stelle sei nochmals an den Winterreifen-Merksatz erinnert: Von O bis O, sprich Oktober bis Ostern.

Wer sich jetzt genötigt sieht, direkt und noch während der Fahrt seinen Reifenhändler per Telefon am Ohr anzurufen, rast direkt in die nächste Ein-Punkte-Falle. Zu dem einen Punkt kommen noch 60 Euro Bußgeld hinzu. Neben dem Rasen im Übrigen eine der schnellsten Arten sein Punktekonto zu füllen. Dabei gilt es dringend zu bedenken, dass mit insgesamt acht und nicht mehr 18 Punkten die Fahrerlaubnis entzogen wird. Da haben es Fahrradfahrer ein wenig besser, werden sie fürs fahrende Telefonieren lediglich mit 25 punktelosen Euro zur Kasse gebeten.

Alkohol und Beleidigungen

Richtig teuer, in Bezug auf Bußgeld und Punkte, wird es beim Verstoß gegen die 0,5 Promillegrenze. Denn Deutschland ist nicht nur das Land ohne Tempolimit, sondern auch das Land der Biertrinker. Da die Kombination beider Dinge jedoch tödlich enden kann, wird hier verständlicherweise besonders hart durchgegriffen. Schon beim ersten Verstoß ist der Angetrunkene mindestens 500 Euro und seinen Führerschein für einen Monat los. Die zwei Punkte wirken da schon fast trivial. Beim zweiten Mal werden 1.000 Euro und beim dritten Mal 1.500 Euro fällig – natürlich jeweils inklusive zweier Punkte.

Wird der Verkehr gefährdet gilt sogar eine Promillegrenze von 0,3. In diesem Falle kommt es zum Entzug des Führerscheins sowie einer Freiheits- bzw. einer äußerst schmerzlichen Geldstrafe. Lässt sich der kontrollierte Fahrzeugführer zu einer Beleidigung hinreißen, kann es noch teurer werden. Der Bußgeldkatalog hält hier neben 200 Euro für „Du Mädchen“ zu einem Polizisten und 2.500 Euro für eine direkte Beleidigung zahlreiche Varianten parat. Wer seinem Gegenüber den Mittelfinger zeigt, muss bis zu 4.000 Euro zahlen.

Nummernschild-Probleme und Abstand

Fast schon niedlich wirken dagegen die Fünf-Euro-Bußgelder für ein schlecht lesbares Kennzeichen oder eine verschmutzte Prüfplakette. Fehlt hingegen das komplette Kennzeichen, werden 60 Euro fällig. Ist es mit Glas, Folie oder ähnlichen Abdeckungen versehen kommen nochmals fünf Euro oben drauf. Weitere zehn Euro, sprich 75 Euro und ein Punkt stehen im Schreiben der Polizei beziehungsweise der Stadt, wenn bei einer höheren Geschwindigkeit als 80 Kilometer pro Stunde der Abstand zum Vordermann in Metern weniger als die halbe angezeigte Geschwindigkeit gemessen wurde.

Bei Tempo 100 sollten demnach mindestens 50 Meter Abstand eingehalten werden. Die Abstands-Strafen erhöhen sich mit jeder weiteren Zehntel-Unterschreitung dieses Wertes. Ein einmonatiges Fahrverbot wird ab dem Fall ausgesprochen, wenn bei einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Kilometern pro Stunde der Abstand weniger als drei Zehntel des halben Tachowertes entspricht.

Falsches Verhalten im Straßenverkehr sowie fehlende Unterlagen und Hilfsmittel

Zurück in der Stadt oder auf dem Land kann es den Autofahrer beim Befahren oder beim Ausfahren eines Kreisverkehrs kalt erwischen. Denn wer bei der Einfahrt in den Kreisverkehr geblinkt beziehungsweise bei der Ausfahrt nicht geblinkt hat, darf zehn Euro berappen. Auch das Überfahren einer Mittelinsel kostet zehn Euro. Genauso viel wird der Führer des Fahrzeugs bei der Polizeikontrolle los, sollte er seinen Führerschein oder seinen Fahrzeugschein nicht mitführen. Fehlt auch noch der Verbandskasten addieren sich nochmals fünf weitere Euro. Das Fehlen einer Warnweste oder eines Warndreiecks kostet 15 Euro.

Werden einfach das Haltegebot der Polizei oder das Zeichen eines Polizisten nicht befolgt, werden 70 Euro und ein Punkt fällig. Kann auf Grund einer nicht eisfreien Windschutzscheibe oder eines nicht eisfreien Seitenfensters der Polizist gar nicht erst erkannt werden, da die Sicht auf die Straße eingeschränkt ist, droht ein Bußgeld von zehn Euro. Fünfzehn Euro werden fällig, wenn die Hauptuntersuchung zwischen zwei und vier Monaten überfällig ist. Ab vier Monaten sind es 25 Euro und ab acht Monaten 60 Euro.

Fahrerflucht

Noch teurer wird es, wenn sich ein Unfallbeteiligter von einem Unfallort entfernt, bevor er laut Paragraph 142 des Strafgesetzbuches „1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, dass er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder 2. eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet hat, ohne dass jemand bereit war, die Feststellungen zu treffen.“

Doch damit nicht genug: „Nach Absatz 1 wird auch ein Unfallbeteiligter bestraft, der sich 1. nach Ablauf der Wartefrist (Absatz 1 Nr. 2) oder 2.berechtigt oder entschuldigt vom Unfallort entfernt hat und die Feststellungen nicht unverzüglich nachträglich ermöglicht.“ An dieser Stelle werden in den meisten Fällen drei Punkte und eine empfindliche Geldstrafe verhängt. Der obligatorische Zettel an der Windschutzscheibe reicht entgegen einiger gutgemeinter Freundesempfehlungen definitiv nicht aus.

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