Stroh statt Stein

Gesunde Häuser vom Acker

Strohballen als Baumaterial? Was nach „Stroh im Kopf“ klingt, hat sich in der Praxis bewährt. Bei fachgerechter Konstruktion können weder Nagetiere noch Ungeziefer oder Schimmel den Strohballen etwas anhaben.

Die Idee, aus Strohballen Häuser zu bauen, kommt aus dem US-Bundesstaat Nebraska. Dort pressten Wanderarbeiter Anfang des 19. Jahrhunderts Stroh zu Blöcken zusammen und bauten ihre Unterkünfte daraus.

Als nachwachsender Rohstoff ist es wie Holz praktisch immer verfügbar und speichert beim Wachstum CO2, das eingebaut wird ins Haus und so nicht in die Atmosphäre gelangt. Stroh ist ein hervorragender Dämmstoff, mit dem Passivhaus-Qualität erreicht werden kann.

Oft geäußerte Vorbehalte gegen das Baumaterial hinsichtlich Brandsicherheit, Schädlingsbefall und Feuchtigkeit lassen sich nicht belegen. In Brandtests haben sich Strohballen sogar als besonders feuerbeständig erwiesen. Durch seine kompakte Pressung verhält sich Stroh wie Holz, es verkohlt von außen und baut so eine Feuerbarriere auf (Feuerbestand auf F30 geprüft).

Erfahrungen in Deutschland wie auch in den USA zeigen, dass bei sachgerechter Konstruktion weder Feuchtigkeit noch Schädlinge Probleme verursachen

Größtes deutsches Strohballenhaus

Bei der tragenden Strohballenbauweise bestehen die Wände gänzlich aus Strohballen. Diese Bauweise ist möglich, wenn die Ballen stark gepresst werden und große Auflagenmaße aufweisen. Meistens wird eine tragende oder zumindest unterstützende Holzkonstruktion eingesetzt. In Verden, Niedersachsen, wurde so das bisher größte Strohballengebäude in Deutschland gebaut. Das Norddeutsche Zentrum für Nachhaltiges Bauen errichtete dort ein fünfgeschossiges Bürogebäude in Strohballenbauweise.

Alles ganz natürlich

Vor allem wer mit Allergien und Atemwegserkrankungen zu tun hat, weiß Strohballenhäuser zu schätzen. Grund sind die natürlichen Baumaterialien Holz, Stroh und Lehm. Lehmputz auf den Strohballenwänden sorgt für beständige 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. 

Unter fachlicher Anleitung ist auch Eigenbau möglich, denn die Holz-Gefache werden vorab genau an die Strohballen angepasst. Häuser aus Vorfertigung sind ebenfalls erhältlich: Dabei werden die Wandelemente aus Holz, Stroh und Kalkputz in einer Halle vorgefertigt und schließlich zur Baustelle gefahren und aufgerichtet.

  Der Außenputz wurde früher aus einer Schicht Lehmputz und darauf Kalkputz gestaltet. Das hat sich nicht bewährt: Vor allem auf der Wetterseite, wo der Regen auf die Wand schlägt, fiel irgendwann der Putz ab. Heute weiß man: Kalk und Lehm als Putz zu verbinden, ist nicht zu empfehlen. Stattdessen wird heute mit Kalkputz direkt auf Stroh gearbeitet.

Zertifizierte Ballen

Strohballen ist nicht gleich Strohballen. Ein Ballen zum Bauen muss besonders dicht gepresst und sehr trocken sein sowie eine gute Form haben. Der Fachverband Strohballenbau (www.fasba.de) hat definiert, welche Eigenschaften ein guter „Baustrohballen“ haben muss, und diese Kriterien in einer Allgemeinen Bauaufsichtlichen Zulassung festgelegt. Die Strohballen werden nach dieser Zulassung zertifiziert: Sie werden vermessen, gewogen und die Feuchtigkeit wird bestimmt. Mit dem Stempel als Zertifikat sind die Ballen als offizielles Bauprodukt zugelassen und haben somit eine Herstellergarantie und Produkthaftung.

Bauherren, die mit zertifizierten Baustrohballen bauen und sich an den Anwendungsbereich der Zulassung halten, können dies mit einer ganz normalen Baugenehmigung tun. Bisher mussten viele Strohballenhäuser noch mit einer sogenannten Zustimmung im Einzelfall genehmigt werden, was aufwendiger ist und länger dauert.

Verschalung statt Putz

Eine Alternative zum Kalkputz ist die Verkleidung mit einer Holzverschalung. Dabei werden die Strohballen außen zunächst mit einem Lehmputz vor Feuer, Feuchtigkeit und Wind geschützt. Darauf wird die Holzverschalung angebracht. An der Innenseite hat sich Lehmputz in Strohballenhäusern voll bewährt. Möglich sind verschiedenfarbige, glatte Lehmputz-Oberflächen, die sich problemlos als Rundungen an den Fensterlaibungen verarbeiten lasen.
Weitere Informationen unter www.strohhaus.com und www.strohballenhaus.org

„Stroh im Kopf“


2004 hat die Filmemacherin Heidi Snel einen Dokumentarfilm über Häuser aus Strohballen gemacht: „Stroh im Kopf“. Zehn Jahre später fuhr sie wieder los, um zu sehen, was aus den Strohballenhäusern von damals geworden ist. Faktenreich und begeisternd, ohne aufdringlich missionieren zu wollen – Heidi Snels Filme sind lohnenswert für jeden, der sich über das Baumaterial Stroh informieren möchte.
Mehr dazu unter www.oekofilm.de

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