Toyota Race Event

Nürburgring Nordschleife

Die Nordschleife fesselt. Sie lässt einen nicht mehr los. Dieser und ähnliche Sätze hämmern in meinem Kopf. Ich stehe in der Eifel in Blickweite der Nürburg und warte auf meine erste Runde auf der wohl legendärsten Rennstrecke der Welt. Nein, nicht im Ring Taxi. Viel besser, ich sitze selber hinter dem Steuer. Angst? Vielleicht. Respekt? Ganz sicher!

Als Teilnehmer eines Trackdays des Veranstalters Inside Media Motorsports erwarten mich drei Runden Nordschleife in einem Toyota GT86. Auf dem Beifahrersitz mein persönlicher Race-Instruktor Peter Michalitschke. Er soll mich unfallfrei durch den Kurvendschungel navigieren. Schon während des Fahrerbriefings am Vorabend hat der 59-jährige Motorsportveteran die wichtigsten Verhaltensregeln auf der Rennstrecke und die Tücken des Eifelwetters erläutert. „Wer die Strecke unterschätzt, landet in der Leitplanke“, so Michalitschkes berechtigte Warnung an übermotivierte Hobbyrennfahrer.


Flüssiger Fahrstil bringt Zeit


Es ist so weit. Helm auf – der Adrenalinspiegel steigt – Gang einlegen, die Ampel springt auf Grün. Vor mir liegt das schmale Asphaltband der Rennstrecke. Links und rechts kaum mehr als fünf Meter Grasfläche, jäh begrenzt von den hohen Leitplanken – Auslaufzonen Fehlanzeige. Tief durchatmen, Fuß aufs Gas und volle Konzentration auf die Anweisungen des Instruktors auf dem Beifahrersitz. Erste Kurve scharf rechts nur Zentimeter an den Leitplanken vorbei. Sekunden später der Hatzenbachbogen, steil bergab geht die Fahrt, der Wagen nimmt Geschwindigkeit auf. Kaum Zeit zum Durchatmen, schon rast die nächste Kurve auf uns zu.

Präzise und unmissverständlich kommen die Instruktionen von rechts: „Leicht anbremsen, rechts an die Curbs ran und weit nach außen tragen lassen.“ Mit blindem Vertrauen setze ich die Anweisung um, sauge das Gefühl der hohen Kurvengeschwindigkeiten auf. Im stetigen Auf und Ab folgt die Rennstrecke den natürlichen Gegebenheiten des Geländes. Kurven im schnellen Wechsel, zum Teil nicht einzusehen, erfordern ein Höchstmaß an Streckenkenntnis. Die Ideallinie: ohne die klaren „Befehle“ meines Beifahrers für mich als Neuling unmöglich zu finden. „Schnell ist man auf dem Ring nur, wenn alles im Fluss ist und unspektakulär ausschaut“, erklärt der Instruktor ruhig. Leichter gesagt als getan.


Das Wesen der Nordschleife


Die souveräne Gelassenheit des Instruktors beeindruckt nicht weniger als die Strecke. Auf die Erfahrung von über 15.000 Runden durch die grüne Hölle blickt Chefinstruktor Peter Michalitschke zurück. Ein Großteil davon im Renntempo im Kampf Mann gegen Mann. Er kennt hier jeden Meter und könnte den Ring wohl mit verbundenen Augen unfallfrei durchfahren. Für Laien ist es immer wieder eine Überraschung, wie spät der Profi „Anbremsen“ und „Einlenken“ anordnet. Bei diesem Tempo kommt die Leitplanke erstaunlich schnell sehr nah. Die Bäume rechts und links der Strecke werden zu einem verschwommenen grünen Streifen.

Gefühlt berührt das Vorderrad bereits die Grasnarbe, bevor der erlösende Befehl kommt – eine Geduldsprobe vor jeder Kurve. Und die gibt es auf der Nordschleife im Überfluss, 73, um genau zu sein, 33 nach links, 40 nach rechts. Für Frischlinge ist auf diesem historischen Asphalt jede Kurve eine Überraschung. Jede hat ihren eigenen Fingerabdruck – Asphaltkanten, hohe Curbs, Belagwechsel, Bodenwellen und Steigungen bis 17% machen jeden Richtungswechsel zu einer neuen Herausforderung.

Seit 90 Jahren fasziniert die Nordschleife Rennsportenthusiasten aus aller Welt. Über die Jahre hat sie ihren Charakter erhalten, nichts von ihrem Reiz eingebüßt. Auf einer Länge von 20,8 Kilometern fordert die grüne Hölle Fahrer und Motoren gleichermaßen. Nicht zu Unrecht gilt sie als eine der gefährlichsten Rennpisten überhaupt.


Mut vs. Leitplanke


Weiter geht die Hatz: Flugplatz , Schwedenkreuz, Fuchsröhre – hier werden im Rennen die höchsten Geschwindigkeiten erzielt. Legendäre Namen, die jeder Rennfan kennt. „Rückspiegel nicht vergessen.“ Immer wieder schärft Peter meine Aufmerksamkeit. Wohlwissend um die enormen Geschwindigkeitsunterschiede der Fahrzeuge, die heute auf dem Ring ihre Runden ziehen. Bis an die 300 km/h erreichen die Fahrzeuge auf der Döttinger Höhe, der langen Gerade kurz vor Start und Ziel.

Breitscheid, der tiefste Punkt der Berg-und-Tal-Bahn, ist erreicht. Was folgt, ist der gut fünf Kilometer lange Aufstieg zur Hohen Acht, dem höchsten Streckenabschnitt. Dunkel ist es hier, unmittelbar hinter der Leitplanke beginnt dichter Eifelwald und lässt das graue Band der Strecke noch schmaler erscheinen. Steil bergauf mit Geschwindigkeiten, die ich mir selbst auf unseren gut ausgebauten Autobahnen kaum zutrauen würde.

Heller wird es erst bei der Anfahrt zum Karussell – dem vielleicht populärsten Fotomotiv der Nordschleife. Hart poltert der GT86 über die Betonplatten der überhöhten 180-Grad-Kurve. Jeder Schlag wird unmittelbar über das Lenkrad auf den Fahrer übertragen.


Der IMM Trackday


Aus aller Welt strömen Hobbyracer in die Eifel, um diese Strecke zu erleben. So auch Trackday-Veranstalter und Inside-Media-Motorsports-Geschäftsführer Thomas Bedessen. Auch er blickt auf viele Jahre Motorsport zurück. Derzeit ist er als Fahrer im eigenen Team in der Rundstrecken-Challenge Nürburgring (RCN) auf der Nordschleife unterwegs. „Wenn die Leute erstmals über die Nordschleife fahren und anschließend zurückkommen, hat man ganz andere Menschen vor sich“, berichtet Bedessen mit glänzenden Augen. „Die Nordschleife verändert, löst überwältigende Emotionen aus. Sie lässt niemanden unbeeindruckt.“

Eines verbindet den 54-Jährigen und sein Team – die Leidenschaft für diese wunderschöne Strecke. Und das überträgt sich auf seine Veranstaltung, denn die ist – ohne Übertreibung – ein Fahrevent der Extraklasse.

Das Besondere: Es gilt freies Fahren auf der exklusiv im Rahmen eines Trackdays gemieteten Rennstrecke. Ein Vergnügen, das sonst nur Hobbyrennfahrern mit nachweislicher Nordschleifenerfahrung vorbehalten ist. Gefahren wird in vom Veranstalter gestellten Sportwagen, stets in Begleitung eines erfahrenen Instruktors. Und das ist gut so, denn die Streckenführung ist unglaublich.

Wir nähern uns dem Brünnchen mit beeindruckendem Tempo, ein schwieriger Streckenabschnitt, wo besonders viele Zuschauer das Treiben auf der Nordschleife verfolgen. Immer in der Hoffnung auf besonders spektakuläre Manöver sich selbst überschätzender Wochenendpiloten. Das möchte ich den Neugierigen heute auf gar keinen Fall liefern und lupfe das Gas, lange bevor der Instruktor mir die entsprechende Anweisung dazu gibt. Der GT86 mit seinen 200 Turbo-PS reagiert gutmütig, zieht sicher den Bogen über den Asphalt.

Nirgendwo stehen die Fans näher an einer Rennstrecke als hier am Ring. Während des legendären 24-Stunden-Rennens herrscht Stadionatmosphäre. Heute ist es ruhig in der Eifel, und wir befinden uns schon im letzten Drittel der Runde. Noch einmal voll aufs Gas und die Beschleunigung des Sportwagens genießen. Vor uns liegt die Döttinger Höhe, die leicht ansteigende, gut zwei Kilometer lange Gerade, vorbei an der Nürburg, hinauf zur Grand-Prix-Strecke. Hier endet meine erste Runde auf der Nordschleife. Was für ein Abenteuer, es wird nicht mein letzter Besuch hier sein.


Überraschung zum Abitur


Der nächste Teilnehmer steht schon in den Startlöchern. Bunt wie die feuerfesten Rennanzüge der Instruktoren zeigt sich das Feld derer, die sich für den Trackday gemeldet haben. Freunde, die die Leidenschaft für den Rennsport teilen, oder Menschen, die einmal im Leben einen Sportwagen schnell über eine abgesperrte Strecke bewegen möchten.

Fachmännisch unterwiesen von Vollprofis, die ihr Handwerk verstehen. Heute sticht die Familie Wlodarczyk aus Wesel aus dem Tross heraus. Die Eltern haben ihren beiden Kindern Lara (18) und Rafael (21) diesen unvergesslichen Tag zum bestandenen Abitur geschenkt. Erstmals auf einer Rennstrecke unterwegs ist auch Jens Mieka aus Köln. Gemeinsam mit seiner Freundin Heike ist der 34-Jährige an den Ring gereist und schwärmt von der speziellen Atmosphäre an diesem Ort.

Ob Veranstalter, Teilnehmer oder Rennprofi, allen ist eines gemeinsam: Wenn schon Motorsport, dann bitte auf der Nordschleife, der längsten, gefährlichsten und schönsten Rennstrecke der Welt. Wer den Mythos Nordschleife einmal selbst erlebt hat, kommt immer wieder zurück an den Ring.

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