Tour mit Kick

Auf dem Rad zu Helmut Rahns Wunderschuh

Nirgendwo in Deutschland liegen Fußball-Kultstätten so dicht beisammen wie in NRW. Über bestehende Radwege erschließt die Deutsche Fußballroute Sehenswertes, Historisches und Kurioses rund um das „runde Leder“.

Der Anstoß zum Doppelpass, Fußball und Radwege zu verbinden, kam von Gregor Gdawietz, dem Geschäftsführer des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbands (WFLV). 15 NRW-Städte mit namhaften Vereinen wurden so per Radroute miteinander verknüpft.

Anlässlich der WM 2006 in Deutschland war das Projekt DFR – so das Kürzel des neuen Radwegs – „im Kasten“. Die rund 800 Kilometer lange Route startet in Aachen und führt den Fußballfan und Fahrradbegeisterten bis nach Bielefeld. Dabei durchstreift sie nicht nur interessante Städte, sondern auch wunderschöne Landschaften.

Vom Rheinland und von dem Niederrhein geht es über das Bergische Land zum Ruhrgebiet, danach durchs Münsterland bis nach Ostwestfalen. In jeder Region steuert der Reiseweg Orte fußballerischer Hochkultur an, deren Bedeutung durch Hinweistafeln erläutert wird. Die Qualität des Radwegs bewertet der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) mit vier von fünf Sternen.

Kaiserdom und Tivoli

Am Aachener Hauptbahnhof startet die Route und führt vorbei an Dom und Rathaus zum Tivoli. Neu und an anderer Stelle gebaut als das alte legendäre Stadion, beeindruckt die neue Spielstätte durch ihre moderne Architektur. Aachen und Umgebung sind keineswegs flach, es geht ständig auf und ab. Flacher wird es erst Richtung Düren, dem Geburtsort der Fußballlegende Karl-Heinz Schnellinger. Dann geht die Reise weiter durch das Rheinland in Richtung Köln.

Köln und die Münze des „Münzaus“

Die Domstadt wartet mit mehreren Erlebnisorten auf. Zunächst die Deutsche Sporthochschule, wo einst Hennes Weisweiler lehrte und zahlreiche Trainerlegenden geschult wurden. Dann das Müngersdorfer Stadion, das heute RheinEnergie-Stadion heißt, und das Geißbockheim, die Heimat des „Effzehs“, wie die Kölner liebevoll ihren Fußballclub nennen.

Das 1. FC Köln Museum unter der Nordtribüne des Stadions beherbergt ein außergewöhnliches Ausstellungsstück: die Münze, die der Schiedsrichter im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister nach drei Unentschieden im Aufeinandertreffen von Liverpool und Köln geworfen hatte.
Ergebnis: „Münzaus“ für Köln. Das Ereignis gab den Anstoß für die spätere Einführung des Elfmeterschießens.

„Pillendreher“ und imposante Schlösser

13 Kilometer stromabwärts gibt es mit Bayer Leverkusen einen Werksclub, der seit Jahren zu den Spitzenvereinen der Bundesliga gehört. Die Werkself der „Pillendreher“ schaffte es aber nie, die Deutsche Fußballmeisterschaft zu erlangen. Spötter sprechen deshalb auch von „Vizekusen“. Nach dem Besuch der BayArena geht es auf die andere Rheinseite zur Spielstätte von Borussia Mönchengladbach. Die Radroute führt vorbei an Klöstern, imposanten Schlössen und Museen. Hier seien nur Kloster Knechtsteden, Schloss Hülchrath, die Museumsinsel Hombroich, Schloss Dyck mit den historischen Garten- und Parkanlagen sowie Schloss Rheydt genannt.

Auf den Spuren der „Fohlenelf“

Vor den Toren Gladbachs passiert die DFR Korschenbroich, den Heimatort des „Terriers“ Berti Vogts, der als eisenharter Verteidiger 1974 Fußballweltmeister wurde und als Bundestrainer 1996 die Europameisterschaft holte.

Nur einen Steinwurf entfernt von Korschenbroich lag das berühmte Stadion am Bökelberg im Mönchengladbacher Stadtteil Eicken. Mit Spielern wie Berti Vogts, Günter Netzer, Jupp Heynckes und Hacki Wimmer feierte hier Gladbachs „Fohlenelf“ ihre größten Erfolge. Anfang des neuen Jahrtausends wurde der einstige Fußball-Tempel abgerissen. Dafür hat sich der Verein ein neues Stadion außerhalb des Stadtgebiets geleistet: den Borussia-Park.

Nach Mönchengladbach war Krefeld-Uerdingen lange Zeit die zweite Fußballmacht am linken Niederrhein. Ab Gladbach verläuft die DFR über Viersen, Anrath und Tönisvorst durch einen Abschnitt mit schönen Alleen.

Fortuna und WSV nicht immer im Glück

Hinter Krefeld schwenkt die Fußballroute zum Rhein, der bei Meerbusch zum letzten Mal überquert wird.

Unweit vom Fluss baut sich die „Esprit-Arena“ auf, die Spielstätte der Düsseldorfer Fortuna, die nach einem Kurz-Comeback in die Erste Liga zurzeit nur zweitklassig kickt. Die Düsseldorfer Altstadt mit ihren Kneipen, der Medienhafen, die Kunsthalle oder die Edel-Flaniermeile „Kö“ sind längere Pausen wert. Im Düsseldorfer Süden, wo heute das Neanderthal Museum steht, wurde 1856 ein Teilskelett des gleichnamigen Urmenschen gefunden.

Danach schlängelt sich der Radweg durchs enge Tal der Großstadt Wuppertal mit der einzigartigen Schwebebahn, die direkt zum Zoo-Stadion führt. Der WSV, der Wuppertaler Sport Verein, hat immerhin drei Jahre in der Ersten Liga gespielt.

Im Revier schlägt das Herz des Fußballs

Nach dem Bergischen Land geht es ins Ruhrgebiet, das fußballerische Zentrum Deutschlands. Nirgendwo gibt es eine solche Vereinsdichte wie hier im Revier. Alle namhaften Mannschaften haben schon in der Ersten Liga gespielt, am erfolgreichsten sind die Revierrivalen Schalke 04 und Borussia Dortmund. Die Veltins Arena der Schalker hat ein Dach, das im Winter geschlossen werden kann. Der Dortmunder Signal Iduna Park fasst über 80.000 Zuschauer und ist damit nicht nur das größte deutsche Stadion, sondern als reines Fußballstadion auch eins der schönsten.

Rahns Schuh und Schöns Mütze

Seit 2015 ist in Dortmund das Deutsche Fußballmuseum beheimatet, das zahlreiche Kultobjekte zu seinen Exponaten zählt: den Endspielball der WM 1954 und den Wunderschuh von Helmut Rahn, mit dem er das Siegtor gegen die Ungarn erzielte, die Mütze von Bundestrainer Helmut Schön, den Elfmeterpunkt, von dem Andreas Brehme 1990 gegen Argentinien traf, und die Schuhe von Mario Götze, Schütze des Siegtors 2014 in Brasilien.

Zu den Traditionsvereinen im Pott gehören auch der MSV Duisburg (2. Platz in der ersten Bundesliga-Saison), Rot-Weiss Essen (Deutscher Meister 1955, Deutscher Pokalsieger 1953), Rot-Weiss Oberhausen (Bundesliga-Aufstieg 1969) und VfL Bochum (die einst „Unabsteigbaren“ spielten insgesamt 34 Jahre mit Unterbrechungen in der Ersten Liga).

Jeder Vorort der großen Städte im Revier beherbergt oft mehrere Fußballvereine. Aber „König Fußball“ regiert im Ruhrgebiet nicht allein. Es gibt vieles mehr zu besichtigen, einiges direkt an der Fußballroute. Denn die Metropolregion wartet mit riesigen Einkaufszentren, Museen, Opernhäusern, Theatern, historischen Gebäuden und nicht zuletzt mit den Bauwerken der

Industriekultur auf, die Zeugen der schwerindustriellen Vergangenheit sind. Weil mehrere Radfernwege die Region durchziehen, sind Abstecher leicht einzurichten.

Vom Münsterland auf die „Alm“

Über Kamen, Bergkamen und Werne führt die DFR ins Münsterland. Alle Streckenabschnitte sind flach und gut zu fahren. Der Weg macht viele Bögen und Haken und kreuzt häufig die 100-Schlösser-Route.

Fußballerisch gesehen, gibt es hier den Traditionsverein Preußen Münster, der auch zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga im Jahre 1963 gehörte. Wer die schöne Innenstadt von Münster nicht kennt, sollte sich etwas Zeit nehmen und zumindest den Prinzipalmarkt und den Dom besuchen.

Vom Wallfahrtsort Telgte aus folgt die DFR im Wesentlichen dem Lauf der Ems. Hinter Greven liegt der Flughafen Münster/Osnabrück, der häufig von der Schalker Mannschaft genutzt wird, da man wegen der Rivalität nur ungern von Dortmund aus abhebt.

Am Teutoburger Wald vorbei, dreht die Route ein kurzes Stück durch Niedersachsen (Glandorf) über Sassenberg nach Versmold. Hier kann man bei Klaus Rahe die Fußballschuhe des brasilianischen Ausnahmekönners Pelé bestaunen.

Nach einem letzten Anstieg ist Bielefeld erreicht. Vorbei am Botanischen Garten, der Dr. Oetker Welt und der Sparrenburg führt die DFR zur Schüco-Arena, die früher schlicht und ergreifend Alm hieß und die Spielstätte der Arminia ist. Es folgt der Abpfiff, die Tour ist aus – hier endet die schöne und abwechslungsreiche Fußball-Partie per Rad. Weitere Infos erhalten Sie unter www.dfr-nrw.de.

Fußballroute per Auto

Auf rund 800 Kilometern bietet die Fußballroute viele Einstiegsmöglichkeiten für Tagesetappen. Wer mit dem Auto anreist und sein Rad per Hänger mitbringt, muss nicht dieselbe Strecke wieder zurückradeln. Das dichte Schienennetz in NRW bietet in der Regel die Möglichkeit, per Bahn an den Ausgangspunkt zurückzukehren. In Kooperation mit dem DFR e.V. und dem ADAC e.V. soll demnächst auch eine Ausschilderung einer entsprechenden Autotouristikroute quer durch Nordrhein-Westfalen von Aachen bis Bielefeld erfolgen.

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