Outdoor-Kleidung pflegen

Ruhig mal nass machen

Nicht selten kostet eine gute Outdoorjacke so viel wie ein Kurzurlaub in den Bergen. Wie Sie mit wenig Aufwand die Lebensdauer des guten Stückes verlängern, erfahren Sie hier.

Es lohnt sich Funktionskleidung regelmäßig zu waschen. Das hilft nicht nur gegen Verschmutzung, sondern stellt auch die Luftdurchlässigkeit wieder her.

Bei einer langen Radtour kommt man ganz schön in Schwitzen, der Körper gibt Feuchtigkeit ab und diese tritt durch den Stoff nach draußen. Das schafft Abkühlung, die Hitze sammelt sich nicht im Innern der Jacke. Mit der Zeit setzt sich die Feuchtigkeit aber in dem Stoff fest, die Luftdurchlässigkeit nimmt ab.

Beim Waschen wird der Stoff wieder ordentlich durchgespült. Zum Waschen nutzt man am besten ein feines Flüssigwaschmittel. Pulverwaschmittel können auf der Kleidung Rückstände hinterlassen, weil sie sich in modernen Maschinen mit weniger Wasserverbrauch schlechter auflösen. Nach dem Waschen darf moderne Outdoor-Kleidung gerne im Schongang in den Wäschetrockner. Die Wärme reaktiviert die Imprägnierung wieder und die Kleidung ist so gut wie neu.

Kleine Reparaturen

Schon ein kleines Loch kann die Freude an der schönen Regenjacke kaputt machen. Ist ein Loch in der Jacke, kann man sie eigentlich gleich wegschmeißen.

Stopp! Kleine Löcher können problemlos selber geflickt, etwas größere Schäden in einem Reparatur-Center behoben werden. Schickt man die Jacke ein, so kann es bis zu drei Wochen dauern, bis man sie wiederbekommt. Dies ist jedoch, ebenso wie der Preis, vom Schaden abhängig. Wer wissen möchte, wie viel ihn die Reparatur kosten wird, kann vorab an die Servicestelle ein Bild des Schadens schicken und einen Kostenvoranschlag bekommen.

Reparatursets für kleine Löcher gibt es im Fachhandel (z.B. Gore Repair Kit für 6,95 Euro), sie bestehen aus bis zu zwei Flicken unterschiedlicher Größe und Form. Sie eignen sich jedoch nicht für eine dauerhafte Reparatur, da sie sich nach fünf Waschgängen ablösen. Reparatursets eignen sich aber nur für Gore-Tex-Produkte, nicht für Windstopper oder Trikot-Stoffe.
Eine Alternative für Löcher bis 3 Zentimetern ist Kleber aus flexibler Polyurethan-Paste. Der Kleber ist haltbarer als Flicken, braucht aber auch etwa 24 Stunden zum Trocknen.

Nicht mehr ganz dicht?

Langjähriges Tragen, viele Regenschauer und häufiges Waschen nutzen mit der Zeit die Imprägnierung ab. Der Regen perlt nicht mehr richtig ab, sondern wird vom Stoff aufgesogen, er wird dunkel und schwer. Höchste Zeit die Imprägnierung aufzufrischen.

Funktionskleidung bekommt eine Fabrik-Imprägnierung. So wird sie besonders wasserabweisend, teilweise sogar wasserdicht. Damit beim Regenschauer die Tropfen so schön am Stoff abperlen, wurde er chemisch behandelt. Denn nur so kann wasserabweisender Stoff überhaupt entstehen. Im Kasten ist erklärt, wie genau ein Stoff wasserabweisend wird.

Das Problem: Die verwendeten Chemikalien in einer Imprägnierung sind nicht umweltfreundlich, sie können sogar Krebs erregend sein. Der Umwelt und der eigenen Gesundheit zuliebe sollte man daher bei der Nachimprägnierung auf Mittel setzen, die schadstoffarm sind. Meist ist jedoch nicht zu erkennen, was in den Mitteln enthalten ist. Während Waschmittel nach einer klaren EU-Verordnung dazu verpflichtet sind, ihre Inhaltsstoffe anzugeben, gilt dies nicht für Imprägniermittel. Nur Gefahrenhinweise müssen abgedruckt werden.

Wem wichtig ist, dass das Mittel umweltfreundlich ist, sollte auf dementsprechende Siegel achten, zum Beispiel auf das Bluesign-Siegel, das gewisse Grenzwerte für Gefahrenstoffe garantiert und die Umweltfreundlichkeit der Produktionskette bewertet.

Für jeden Stoff das richtige Mittel

Empfehlenswerte Mittel gibt es von Fibertec, Granger’s und Nikwax. Sie bieten Pflege- und Imprägniermittel für unterschiedliche Materialien an.

Nikwax hat eine sehr große Auswahl an Wasch- und Imprägniermitteln, zum Beispiel speziell für Wolle, Daunen, Softshell oder Hardshell.
Granger’s bietet Reinigungsprodukte speziell für Merino und Daune an sowie für Funktionskleidung mit Gore-Tex oder eVent-Funktion.
Granger’s Performance Proofer (Wash-In) und XT Proofer (Spray-On) werden beide durchs Lufttrocknen aktiviert.

Mit einem praktischen 2in1 Cleaner & Proofer lässt sich Reinigen und Imprägnieren in einem Waschgang erledigen. Die Mittel sind leider meist nicht im Supermarkt, im Discounter oder in der Drogerie zu finden, können aber bequem online gekauft werden.

Und so gehts

Es gibt zwei Arten, Outdoor-Kleidung neu zu imprägnieren: Waschen oder Sprühen. Anschließend erfolgt die Aktivierung entweder in der Waschmaschine (für ein besseres Ergebnis) oder bei Raumtemperatur – diese Produkte tragen im Namen meist den Zusatz RT. Doch eines sollte man wissen: So gut wie eine Fabrik-Imprägnierung kann eine Nach-Imprägnierung nicht sein.

Einfach: Waschen

Wash-Ins – Mittel zum Einwaschen – sind einfach und bequem zu benutzen. Sie wirken entweder in einem kompletten Waschgang ein und werden dementsprechend in die Hauptwaschkammer gefüllt oder kommen erst im Weichspülergang zum Einsatz. Die Trocknung im Anschluss (je nach Mittel in der Maschine oder an der Luft) aktiviert die Imprägnierung und fertig.

Herausfordernd, aber punktgenau: Sprühen

Sprays (Spray-On) sind in ihrer Anwendung etwas anspruchsvoller.
Die Funktionskleidung sollte vorher gewaschen werden. Nach kurzem Lufttrocknen, wenn die Kleidung nur noch leicht feucht ist, kann das Imprägnierspray aufgetragen werden.
Je nach Mittel gelten unterschiedliche Mindestabstände, die eingehalten werden sollten. Das Einsprühen sollte außerdem immer im Freien geschehen, da das Spray sonst leicht eingeatmet wird.

Die besondere Anforderung bei Sprays: Das Mittel muss so gleichmäßig wie möglich aufgetragen und „Problemstellen“ (Nähte und Belegkanten) müssen beachtet werden.

Manche Mittel müssen im Anschluss noch einmassiert werden. Die Imprägnierung wird durch Trocknung in der Maschine oder an der Luft aktiviert. Neue Outdoor-Jacken können auch mit einem Bügeleisen auf niedriger Temperatur behandelt werden. Dabei immer ein Geschirrtuch zwischen Bügeleisen und Kleidungsstück legen.
Der Vorteil von Sprays: An Stellen, wo der Stoff starker Belastung ausgesetzt ist, etwa durch Tragen eines Rucksacks, kann die Imprägnierung öfter und gezielt aufgefrischt werden.

Was macht Stoffe wasserabweisend?

Um Funktionskleidung wasserabweisend zu machen, muss auf chemische Stoffe zurückgegriffen werden.
Einer dieser Stoffe ist Fluor, mit dem perfluorierte Verbindungen hergestellt werden. Als C8-PFC wurde es lange Zeit in Imprägniermitteln verwendet. Da seine acht Kohlenstoffe eine extrem haltbare Carbonverbindung bilden, zersetzt es sich kaum und bildet beim Zerfall stattdessen PFOA-/PFOS-Säuren, die bioakkumulativ sind. Sie zerfallen also nicht wieder komplett, sondern hinterlassen Rückstände in Organismen, der Umwelt und dem Menschen.

Als Alternative zu C8 sind die meisten Hersteller von Funktionskleidung zu Imprägniermitteln mit C6 umgestiegen, eine Carbonverbindung, die aus sechs Kohlenstoffatomen besteht und weniger Rückstände bildet. C6 ist dadurch verträglicher, aber dennoch nicht unbedenklich oder umweltfreundlich.

Alternativen, die umweltfreundlich und nicht schädlich sind, werden derweil ebenfalls von Herstellern angeboten: etwa auf der Basis von Polyurethanen (Fibertec), von Acryl (Granger’s) und von Elastomeren (Nikwax). Die Alternativen sind jedoch immer ein Kompromiss. Kein Stoff, der nicht auf Fluor basiert, erzielt vergleichbare Ergebnisse bei der Resistenz von Wasser, Öl oder Schmutz wie perfluorierende Verbindungen. Genau deshalb sind diese Verbindungen so beliebt und kommen häufig bei der Erstbehandlung von Funktionskleidung zum Einsatz.

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