Richtiges Verhalten als Autofahrer nach einem Wildunfall

Wenn Wild plötzlich auf eine Landstraße rennt, kann es sehr gefährlich werden. Besonders in den frühen Morgenstunden oder am Abend bei Dämmerung werden Rehe, Wildschweine oder andere Tiere aktiv. Erfahre jetzt, wie du dich bei einem Wildunfall richtig verhältst und wie du einen Wildunfall verhindern kannst.

Wenn ein Unfall zum Wildunfall wird


Jeder Zusammenstoß von einem Fahrzeug mit einem Tier der Gattung Haarwild gilt als Wildunfall. Das Jagdgesetz bestimmt, welche Tiere als Haarwild gelten. Vögel zählen beispielsweise nicht dazu. Die folgende Liste enthält eine Auswahl von Tieren, die zu dieser Gattung gehören.

  • Reh
  • Hirsch
  • Wildschwein
  • Wisent
  • Fuchs
  • Hase
  • Dachs
  • Luchs
  • Marder

Wildunfälle entstehen jedoch nicht nur bei einer Kollision mit dem Wild. Wenn es zu einem Verkehrsunfall kommt, weil ein Autofahrer einem Tier ausweichen wollte, ist der Unfall ebenfalls als Wildunfall einzuordnen.

Das statistische Bundesamt zählt jährlich rund 270.000 Wildunfälle auf den deutschen Straßen. In den wenigsten Fällen kommen dabei Menschen ums Leben. Trotzdem ist die Gefahr bei einem Wildunfall nicht zu unterschätzen: Schwere Körperverletzungen und größere Schäden am eigenen Auto können die Folge sein. Häufig sind es Rehe, die beim Überqueren der Straße von Autofahrern zu spät gesehen werden. In der Wildsaison 2018/2019 sind nach Angaben des Deutschen Jagdverbands (DJV) etwa 203.000 Rehe im Straßenverkehr zu Tode gekommen.

Doch wie verhältst du dich ordnungsgemäß bei einem Wildunfall? Erfahre jetzt, an wen der Wildunfall gemeldet werden muss und was zu tun ist, wenn das verletzte Tier noch lebt.

Richtiges Verhalten nach Zusammenstoß mit Wild


Kommt es zu einem Zusammenstoß mit einem Wildtier, solltest du Ruhe bewahren und dich an der Unfallstelle so verhalten, wie es auch bei anderen Unfällen erforderlich ist. Zuerst schaltest du die Warnblinker am Fahrzeug an. Anschließend ziehst du eine Warnweste über und sicherst die Unfallstelle ab.

Ganz egal, welche Umständen und Folgen der Unfall hat, rufe immer die Polizei unter der bekannten Nummer 110 an. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Tier nach dem Zusammenstoß geflüchtet ist, das Fahrzeug nur kleine Schäden erlitten hat oder es keine ersichtlichen Verletzungen gibt. Ist einer der Unfallteilnehmer schwer verletzt, rufst du zusätzlich einen Notarzt unter der 112 an und leistest umgehend Erste Hilfe.

Fasse das verletzte Wild auf keinen Fall an, da sich verängstigte Tiere wehren können. Findest du ein totes Tier vor, kannst du es an den Straßenrand ziehen, um weitere Unfälle zu vermeiden. Dabei ist es wichtig, das Wild nicht mit den bloßen Händen anzufassen und Handschuhe zum Schutz zu tragen. Wenn du dir unsicher bist, was mit dem Tier am Unfallort zu tun ist, kannst du es liegenlassen.

Bitte beachte, dass du das das Wild nicht zu weit vom Unfallort entfernst, da das Jagdrecht sehr streng ist. Zudem darfst du das Wild nicht einfach aufnehmen und woanders ablegen. Rechtlich gilt diese Handlung als Entwendung, sodass im schlimmsten Fall hohe Strafen wegen Wilderei drohen. Am besten wartest du mit sicherem Abstand, bis die Polizei oder der örtliche Jäger vor Ort eintreffen. Bitte den Jäger, dass er dir eine Wildschadenbescheinigung aushändigt. Sie dient später als nützlicher Nachweis für deine Versicherung.

hirsch steht auf strasse

Meldepflichten nach Wildunfällen


Viele Autofahrer wissen nicht, welcher Jagdpächter für das Areal rund um den Unfallort zuständig ist. Benachrichtige einfach die Polizei, die dann den verantwortlichen Jagdpächter und das Amt für Veterinärwesen über den Unfall informiert.

Es herrscht in elf Bundesländern eine Meldepflicht für Wildunfälle. Berlin, Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind in dem Fall eine Ausnahme. In den restlichen Bundesländern ist der Autofahrer verpflichtet, nach einem Zusammenstoß mit Tieren die Polizei zu verständigen. Wer Wildunfälle nicht meldet, begeht eine Ordnungswidrigkeit und zahlt entsprechend Bußgeld.

Nach dem Strafgesetzbuch (StGB) liegt keine Fahrerflucht vor, wenn Autofahrer nach einem Unfall mit Wildtieren einfach weiterfahren, da das Tier rein rechtlich nicht als Geschädigter angesehen wird. Neben einem möglichen Verstoß gegen Meldepflichten greifen jedoch noch andere Gesetze. Ist das angefahrene Tier verletzt, kommen das Jagdgesetz und das Tierschutzgesetz zum Tragen. Lässt ein Fahrer verletztes Wild zurück, gilt das als Tierquälerei und es drohen Geldstrafen von bis zu 5.000 Euro.

Als Fahrer bist du nicht verpflichtet, totes Wild zu bergen und zu entsorgen. Dafür ist die Stadt oder Gemeinde zuständig. Sie tragen auch die Kosten für die Entfernung von Kadavern. Kleinere Tiere beseitigen meist Mitarbeiter der Straßenmeisterei oder Mitarbeiter der Polizei, etwa auf Autobahnen. Größere Tiere wie Hirsche, Wildschweine oder Rehe räumt der zuständige Jäger weg.

Zahlt die Versicherung bei Wildunfall?


Beim Zusammenprall mit Haarwild entsteht häufig ein Schaden am eigenen Fahrzeug. Die Kaskoversicherung übernimmt in den meisten Fällen den Schaden. Dabei ist es unerheblich, ob der Schaden durch eine Kollision oder das Ausweichmanöver entstand. Eine einfache Kfz-Haftpflichtversicherung begleicht diese Schäden nicht. Sie zahlt nur dann, wenn andere Verkehrsteilnehmer ebenfalls betroffen sind oder ein Sachschaden vorliegt wie Schäden an Schildern, Zäunen oder Leitplanken.

Die Teilkasko kommt nur für Schäden auf, die während einer Fahrt entstanden sind. Für parkende Autos gelten somit andere Bedingungen. Hier zahlt die Vollkasko den gesamten Wildschaden. Es kann jedoch sein, dass eine Selbstbeteiligung nötig ist. Deine Versicherung wird dich im Fall der Fälle darüber informieren und Auskunft geben, ob deine Police eine erweiterte Wildschadenklausel beinhaltet. Darin sind Unfälle mit weiteren Tierarten abgedeckt.

Um eine Versicherungsleistung in Anspruch nehmen zu können, ist die polizeiliche Meldung von Auto-Unfällen mit Rehen, Wildschweinen und anderen Tieren erforderlich. Fertige zudem einen ausführlichen Unfallbericht an und dokumentiere den entstandenen Schaden mit Fotos, um der Versicherung einen Beweis vorlegen zu können. Entferne vor der Beweissicherung keine Haare oder Blutspuren.

Auch die Polizei protokolliert den Unfall sowie alle Schäden und wendet sich bei Bedarf an Zeugen. Da gegebenenfalls Gutachter im Auftrag der Versicherungen die Unfallfolgen prüfen, solltest du alle Beweise sorgfältig aufbewahren und den Besuch in der Waschanlage nach hinten verschieben. Die Dokumente reichst du später bei deiner Kfz-Versicherung ein und bittest um Erstattung der Kosten für die Reparaturen.

Reh steht in Dunkelheit auf Straße

Vorsichtig fahren und Wildunfall vermeiden


Sobald du ein Tier am Straßenrand oder auf der Straße entdeckst, solltest du deine Geschwindigkeit deutlich verringern und abbremsen. Meist sind Wildtiere nicht allein unterwegs, also bleibe in einer solchen Situation immer aufmerksam.

Besonders nachts schalten Fahrer das Fernlicht am Fahrzeug ein, um bei Dunkelheit eine bessere Sicht zu haben. Dabei sollte auch ein achtsamer Blick zum Fahrbahnrand geworfen werden. Tiere auf der Straße oder am Straßenrand erkennst du im Dunklen an ihren leuchtenden Augen frühzeitig. Steht das Tier direkt auf dem Asphalt, kann es durch Hupen einfach verscheucht werden. Blende jedoch vorher das Licht ab.

Falls du den Zusammenprall mit dem Wild nicht verhindern kannst, verzichte unbedingt auf ein Ausweichmanöver. Den Tipp solltest du ebenfalls beherzigen, wenn plötzlich ein Wildwechsel über die Straße stattfindet. Halte in diesen Fällen einfach das Lenkrad fest und fahre so langsam wie möglich weiter geradeaus.

Achtsames Fahren hilft dabei, einen Wildschaden zu verhindern. Denn wenn bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h ein Auto auf ein etwa 20 Kilogramm schweres Reh trifft, entwickelt das Tier ein Aufprallgewicht einer halben Tonne. Die Gefahr für einen Wildwechsel besteht meist in den Morgen- und Abendstunden. Häufig überqueren Wildtiere die Straßen in der Nähe von Feldern und Wäldern. Entsprechende Warnschilder weisen auf die Gefahr von Wildwechsel hin und mahnen zum vorsichtigen Fahren.


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